Nach sehnsüchtigem Warten auf ein gemeinsames Wiedersehen war es am 25.4. endlich soweit und Ulya kam wie geplant am Morgen mit dem Flugzeug aus Helsinki in Frankfurt an. Um den Tag noch sinnvoll zu nutzen, fuhren wir mit der nächsten Bahn direkt weiter richtung Bonn, wo wir morgen an dem Marathon teilnehen wollten, auf den wir uns mit Herbert Steffny's Marathon-Plan seit Beginn dieses Jahres mehr oder weniger diszipliniert vorbereitet hatten. Jedenfalls fehlten nur noch 8km, um unser selbst gestecktes Ziel - die Distanz von 1700km als Summe unserer gemeinsamen Trainingskilometer vor dem Marathon als zu laufen - zu erreichen. Das wollten wir heute Abend noch zu Ende bringen, womit wir dann die Luftlinie von Frankfurt nach Jyväskylä in unserer Vorstellung bewältigt hätten. Wäre jeder von seiner Stadt losgelaufen würden uns jetzt also nur noch 8 km voneinander trennen, und wir befänden uns momentan auf Gotland. Aber glücklicherweise trennte uns nichts mehr voneinander und wir befanden uns nicht auf Gotland, sondern auf einem kurzen Spaziergang durch einen Park in Wiesbaden, wo alles in Blüte stand, besonders der Flieder und die Kastanien. Ulya war nun ähnlich beeindruckt wie ich vor einigen Wochen, als ich aus dem -5 Grad kalten Finnland direkt in das 26 Grad warme Frankfurt zurückgefolgen bin, wo der Sommer bereits Einzug gehalten hatte.
Von Wiesbaden führen wir per Wochenendticket für 37 Euro weiter am Rhein entlang bis nach Koblenz, wo wir noch 2 Stunden für eine kurze Stadtbesichtigung hatten, und dann weiter bis Bonn. Es war eine wunderschöne Fahrt durch das Rheintal, besonders die vielen Burgen waren beeindruckend. Unser Spaziergang in Konstanz führte uns zum Deutschen Eck, wo die Mosel in den Rhein fließt. Auf dem Bahnsteig Bonn warteten bereits Christian, Claudia und Jan auf uns. Nachdem wir unsere Startunterlagen in der Stadt abgeholt hatten ging es in Christians WG in die Konradstraße. Ich machte mich mit Ulya auch bald wieder auf, um noch die erwähnten 8km zu laufen, die uns auf Gotland noch voneinander trennten. Der Lauf führte uns zum Biologie-Campus im Poppelsdorfer Schloss, wo wir die lange Kastanien-Allee hoch und runter liefen. Am Abend gingen wir noch zu Freunden von Christian, bei denen wir unsere Glykogenspeicher zur genüge mit Pasta füllten, um beim Marathon ein gutes Energiepolster zu haben. Seit dem Weiltalmarathon vor einer Woche hatte ich nur noch recht wenig gegessen, da mein Magen nicht mehr so funktionierte, wie er sollte. So aß ich auch fast keine Nudeln und obwohl ich mich bis zum Lauf eigentlich noch ganz wohl fühlte, versagten mir dann spätestens nach der ersten Hälfte des Marathons langsam die Kräfte.
Christian lief den Halbmarathon und war mit einer Zeit von 1:48h sogar noch schnell genug, um Ulya, Jan und mich um 10:30 auf die Marathonstrecke zu schicken. Da sich für den Marathon nur knapp 3000 Läufer gemeldet hatten, gab es am Start auch kein großes Gerangel und bald verabschiedete ich mich von Ulya, um meine angestrebte Zeit von unter 3h in angriff zu nehmen. Die 10km-Durchgangszeit war mit 41 min langsamer als geplant, aber ich dachte dass ich noch einige Reserven hatte um ab der Halbmarathon dann richtig aufzudrehen. Leider kam es anders als erwartet: obwohl ich konzentriert und nach gutem Gefühl lief, musste ich immer langsamer rennen und spätestens beim Halbmarathon wusste ich, dass es heute nicht gut gehen würde, da ich einfach keine Kraft mehr hatte. Um nicht noch einzubrechen nahm ich nochmal das Tempo raus, so dass ich nur noch mit etwa 10km/h vor mich dahin trottete, aber als es bei km 30 wieder an den Rhein ging, war ich bereits so fertig, dass ich eine Gehpause von etwa 10 min einlegte. Ein Schluck Bier an einem privaten Stand brachte mich für einige hundert Meter wieder auf Trab, dann ging wieder nichts mehr. Ab Km 33 nahm ich dann wieder einen lockeren Lauf auf, aber dass ich nur noch überholt wurde, war inzwischen schon ganz normal. Fast entlang der ganzen Stracke standen Zuschauer, die einen anfeuerten, viele Kinder wollten abklatschen und eine Frau bot den Läufern sogar ihre private Toilette im Haus an. Bei Km 36 kam plötzlich Ulya mit einem fröhlichen Lächeln und völlig durchnässt an mir vorbeigelaufen. Natürlich heftete ich mich an ihre Fersen und so liefen wir die nächsten 4km nochmal relativ flott zusammen, wobei wir wieder an mehreren Läufern vorbei zogen. Bei Km 40 sahen wir dann 200m vor uns eine Frau und ich meinte zu Ulya, dass sie die noch einholen könnte. Daraufhin zog sie nochmal gehörig an und ich hatte keine Chance mehr zu folgen. Ulya kam nach 3:27:44 ins Ziel und ich knapp eine Minute später. Ein sehr starkes Rennen von Ulya, bei mir war es weniger gut gelaufen, aber ich war trotzdem überglücklich ins Ziel zu kommen, nach meinem wohl härtesten Marathonrennen neben Berlin 2008, wo ich auch nur 3:35 gelaufen bin. Anscheinend geht es umso leichter, je schneller man unterwegs ist... Ich brauchte noch über eine Stunde, bis ich mich wieder einigermaßen erholt hatte, dann gab es noch eine Dusche, Massage und Nudeln mit Kölsch. Auch bei Jan war es ähnlich schlecht gelaufen - er kam 25 min später ins Ziel als im Jahr zuvor, wo er hier 3:22h gelaufen war. Während die anderen bald zurückfuhren, da um 16 Uhr eine Grillparty bei christian geplant war, genoss ich mit Ulya noch die Sonne in der Stadt und machten uns dann gegen 17Uhr zu Fuß auf den Rückweg. Wir gesellten uns dann noch zu den anderen und der Abend ging noch bis nach Mitternacht.
Zeitig um 7Uhr fuhren wir dann per Mitfahrgelegenheit zurück nach Frankfurt, so dass ich noch rechtzeitig zu meiner Vorlesung kam. Die Woche verging schnell und bereits am Do fuhren wir nach Berlin zu Antje und Peter, und um mit in das neue Haus umzuziehen. Oma und Opa waren noch nicht abgefahren und so bekamen wir noch ein gutes Stück Kuchen und Kaffee bevor wir uns mit ihren Rädern nach Berlin-Wedding aufmachten. Da das Wetter ausgezeichnet war, wurde die Fahrt zu einer 2-Stündigen Sightseeing-Tour durch Berlin, wobei wir am KuDamm, der Gedächtniskirche, der Straße des 17 Juni und dem Brandenburger Tor und Reichstag vorbeikamen. Am Abend gingen wir zusammen mit Antje und Peter dann in ein interessantes Restaurant, wo wir nach exzellentem Essen noch einen Vortrag über den Blutmai hörten, bei dem es 1929 im Wedding zu Ausschreitungen zwischem Arbeitern und Behörden kam.
Am 1.Mai, zu Antjes Geburtstag fuhren wir mit den Rädern zum neuen Haus in Hermsdorf, wo die Schlüsselübergabe stattfand, zu der auch Martina und Christian kamen. Wir bestaunten das schöne Haus, welches nach Finnland jetzt auch ein neues Zuhause ist und feierten auch, dass die über die letzten Tage damit verbundenen organisatorischen Schwierigkeiten jetzt endlich überwunden waren. Im Garten gab es ein feines Buffet und Geburtstagssuppe und danach fuhren wir noch mit den Fahrrädern zum Tegeler See, wo es bei der Alten Marie, dem mit 900 Jahren ältesten Baum von Berlin, noch einen Eisbecher gab. Am Abend gab es nochmal ein kleines Festessen mit türkischen Spezialitäten, die man im Wedding an jeder Straßenecke bekommen kann, mit Salat, Fladenbrot, Ayran und der in Sirup getränkten typischen Süssigkeit. Am So war Umzugstag. Es lief nicht alles wie geschmiert, aber nach 4h hatten wir dann alle Habseligkeiten in die Frohnauer Straße geschafft. Die Hausreinigung wurde sofort aufgenommen, aber ein Haus braucht eben seine Zeit. Mit den Rädern unternahmen wir noch eine kurze Erkundungstour nach Frohnau, und hätten uns dabei fast noch ausgeschlossen, wenn es den Noteinstieg nicht gegeben hätte. Aber so nahm der Tag ein perfektes Ende bei ausgezeichnetem Spargel und gutem hessischen Winter-Weißwein.
Statt um 5Uhr morgens aufzustehen und vor der Abfahrt nach Frankfurt noch auf eine Vogelstimmenexkursion zu fahren, zogen wir es dann doch vor den Tag ruhig angehen zu lassen und verabschiedeten uns erst gegen Mittag von meinen Eltern um per Bummelzug die 9-Stündige Rückfahrt nach Frankfurt anzutreten. Am Montag fuhr Ulya dann zum Vorstellungsgespräch zu Sanofi-Aventis, was erfolgreich war, so dass wir dann ab Juni hier in Frankfurt für mehere Monate zusammen wohnen werden. Darauf freuen wir uns!
Freitag, 8. Mai 2009
Sonntag, 18. Januar 2009
Back to Iso Syöte
Wie schon in den letzten drei Jahren wahren wir zum Jahresende 2008 wieder in der Ahmatupa in Iso Syöte, wo wir in der finnischen Wildniss zusammen mit unseren ukrainischen Freunden aus Kuopio ins neue Jahr "rutschten". Das schöne an der Ahmatuppa ist, dass man diese Blockhütte erst nach einer 8km-langen Skitour vom Skizentrum in Iso Syöte aus errreichen kann. Essen, Bekleidung, viele Spiele und sonstige Sachen, die wir für drei Übernachtungen in der Ahmatupa gebrauchen würden, trugen wir in unseren Rücksäcken zur Hütte. Am 29. kamen wir kurz nach 3Uhr an der Hütte an, in der Papa schon den Kamin angezündet hat, so dass die Temperatur stetig von Anfangs -5 auf über 20 Grad steigt. Als nächstes wird Wasser aus dem Fluss geholt, der sich gleich einige Meter entfernt von der Hütte befindet. Dort befindet sich eine Holzkonstruktion, in der sich das Wasser vom Bach anstaut, so dass man mit einem Eimer, der an einem langen Stab befestigt ist, klares Wasser schöpfen kann, welches dann zum Kochen, Trinken und Waschen verwendet wird. Etwa 100m von der Ahmatupa befindet sich eine Sauna, in der wir etwas mehr Zeit benötigen, bis wir das Feuer anbekommen. Doch als auch diese Schwierigkeit nach mehreren Versuchen gemeistert ist, steht einem mollig-warmen Abend nichts mehr im Wege. Als die Sonne schon längst untergegangen ist, schnalle ich mir nochmal die Skier an, um den Kyrylenkos entgegen zu fahren, die mit dem Auto gegen 8Uhr in Kuopio los gefahren sind, und sich jetzt gegen 5Uhr schon auf den Skiern zur Ahmatupa befinden sollten. Es macht Spaß im dunkeln ohne Licht durch den Wald zu fahren, und oft kann ich nur erhahnen, wo die Skispur langgeht. Wenn man nach oben sieht, ist der Himmel ganz klar und voller Sterne Irgendwann sehe ich in der Ferne ein Licht, welches sich mir langsam nähert und bald sehe ich Ulla vor mir. Um zusammen den Sterennhimmel zu beobachten, macht sie ihre Stirnlampe aus und in diesem Moment sehen wir eine Sternschnuppe. Kurz darauf sind auch Sergiy und Olga da und wir fahren zusammen zur Ahmatupa, wo es inzwischen bereits schön warm ist. Nach ausgiebiger Sauna inclusive Schnee-baden, gibt es zum Abendbrot Nudeln.
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